IHK-registrierter Immobiliardarlehensvermittler

Bausparen oder ETF-Sparplan? Warum der Vergleich meist schiefgeht

Als Geldanlage gewinnt ein ETF-Sparplan diesen Vergleich fast immer: Bausparguthaben wird niedrig verzinst, dazu kommt die Abschlussgebühr. Nur vergleicht man damit zwei verschiedene Dinge. Ein Bausparvertrag ist im Kern keine Anlage, sondern eine Absicherung gegen steigende Zinsen – und ein ETF kann keinen Kreditzins garantieren. Die sinnvolle Frage lautet deshalb nicht „was bringt mehr", sondern „brauche ich in einigen Jahren einen Kredit".

Von Günther DallmairAktualisiert am

Die Gegenüberstellung taucht in jedem Forum auf, und meistens endet sie mit einem klaren Ergebnis zugunsten des ETF. Das ist rechnerisch nachvollziehbar und trotzdem oft die falsche Schlussfolgerung – weil die beiden Produkte unterschiedliche Aufgaben haben.

Die Unterschiede im Überblick

BausparvertragETF-Sparplan
ZweckZinssicherung für späteren KreditVermögensaufbau
Verzinsung / Renditeniedrig, vertraglich festgelegtschwankend, historisch höher
Risiko des Kapitalskein KursrisikoKursrisiko, zeitweise Verluste möglich
EinmalkostenAbschlussgebühr 1,0–1,6 %in der Regel keine
Laufende Kostenggf. KontogebührTER, meist 0,05–0,25 % p. a.
Verfügbarkeit6 Monate Kündigungsfristbörsentäglich
Kreditanspruchja, zu heute fixiertem Zinsnein
Staatliche FörderungPrämie, Zulage, Wohn-Riester möglichArbeitnehmersparzulage bei VL

Stand: August 2026. Die Kostenangaben sind marktübliche Spannen, keine konkreten Produktkonditionen.

Warum der reine Renditevergleich in die Irre führt

Wer 200 Euro monatlich zehn Jahre lang anlegt, hat mit einem breit streuenden Aktien-ETF historisch mehr Vermögen aufgebaut als mit einem Bausparvertrag. Daran gibt es wenig zu deuteln, und das gilt erst recht nach Abzug der Abschlussgebühr.

Die Rechnung unterschlägt aber die Leistung, für die man den Bausparvertrag überhaupt abschließt: den Anspruch auf ein Darlehen zu einem Zins, der heute schon feststeht. Steigt das Zinsniveau bis zur Zuteilung um zwei Prozentpunkte, ist dieser Anspruch bei 100.000 Euro Restschuld über zehn Jahre schnell einen fünfstelligen Betrag wert. Ein ETF-Depot kann das nicht leisten – es macht Sie nicht kreditwürdiger und sichert keinen Zins.

Umgekehrt gilt genauso: Wer nie einen Kredit braucht, zahlt für eine Versicherung, die nie greift. Dann ist der ETF-Sparplan tatsächlich die bessere Wahl.

Wann der ETF-Sparplan die bessere Wahl ist

  • Sie wollen Vermögen aufbauen und haben keinen absehbaren Kreditbedarf.
  • Ihr Anlagehorizont liegt bei fünfzehn Jahren und mehr, sodass Kursschwankungen Zeit haben, sich auszugleichen.
  • Sie brauchen Flexibilität und wollen jederzeit an das Geld kommen.
  • Sie kaufen ohnehin bar oder haben die Finanzierung bereits langfristig gesichert.
  • Sie liegen über den Einkommensgrenzen für Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage.

Wann der Bausparvertrag die bessere Wahl ist

  • Ihre Zinsbindung läuft in fünf bis fünfzehn Jahren aus und Sie wollen die Anschlussfinanzierung absichern.
  • Sie planen eine Modernisierung und brauchen dafür zu einem bestimmten Zeitpunkt eine feste Summe.
  • Sie dürfen das Geld nicht dem Kursrisiko aussetzen, weil der Termin feststeht.
  • Sie erhalten vermögenswirksame Leistungen oder liegen unter den Förderungsgrenzen.
  • Sie wissen von sich, dass Sie ein jederzeit verfügbares Depot im Zweifel doch angreifen würden.

Die Kombination ist meist besser als die Entscheidung

In der Beratung endet dieser Vergleich selten mit einem Entweder-oder. Üblich und sinnvoll ist eine Aufteilung: Der Bausparvertrag deckt genau den Betrag ab, für den ein fester Termin und ein fester Zins gebraucht werden – etwa die erwartete Restschuld. Alles darüber hinaus läuft in den Sparplan, wo es besser rentiert und flexibel bleibt.

Wichtig ist dabei, die Bausparsumme nicht größer zu wählen als nötig. Jeder Euro zu viel kostet Abschlussgebühr und bindet Rate, die im Depot mehr gebracht hätte.

Häufige Fragen

Bringt ein ETF mehr als ein Bausparvertrag?

Als Geldanlage betrachtet in aller Regel ja, historisch deutlich. Der Vergleich hinkt aber, weil er die Kernleistung des Bausparvertrags ausblendet: den Anspruch auf ein Darlehen zu einem heute festgelegten Zins. Ein ETF-Depot sichert keinen Kreditzins. Wer in einigen Jahren einen Kredit braucht, vergleicht deshalb nicht zwei Anlagen, sondern eine Anlage mit einer Absicherung.

Kann ich beides gleichzeitig machen?

Ja, und das ist meist die sinnvollste Lösung. Der Bausparvertrag wird auf genau den Betrag dimensioniert, für den ein fester Termin und ein gesicherter Zins gebraucht werden. Was darüber hinaus gespart werden kann, läuft in den ETF-Sparplan. So bekommen Sie Planungssicherheit für den Finanzierungsteil und Renditechancen für den Rest.

Was ist mit vermögenswirksamen Leistungen – Bausparen oder Fondssparplan?

Das sind getrennte Fördertöpfe, Sie müssen sich nicht entscheiden. Für Bausparen gibt es 9 Prozent Zulage auf jährlich höchstens 470 Euro, für Beteiligungen wie Fondssparpläne 20 Prozent auf höchstens 400 Euro. Wer genug vermögenswirksame Leistungen erhält oder aufstockt, kann beide Grenzen parallel ausschöpfen und erhält beide Zulagen.

Ist ein Bausparvertrag sicherer als ein ETF?

In Bezug auf das eingezahlte Kapital ja: Es unterliegt keinem Kursrisiko und ist über die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Ein ETF kann zwischenzeitlich deutlich an Wert verlieren. Dafür trägt der Bausparvertrag ein anderes Risiko, das oft übersehen wird: Der Zuteilungstermin lässt sich nicht garantieren. Wer zu einem festen Datum Geld braucht, muss das einplanen.

Lohnt sich Bausparen bei niedrigen Zinsen?

Gerade dann kann es sinnvoll sein, weil ein niedriges Zinsniveau für die Zukunft festgeschrieben wird – der Wert dieser Absicherung steigt, je mehr Spielraum die Zinsen nach oben haben. Als Geldanlage ist der Vertrag in einer solchen Phase dagegen besonders unattraktiv, weil auch das Guthaben kaum verzinst wird. Beides gilt gleichzeitig und widerspricht sich nicht.

Quellen

Günther Dallmair

Verfasst von

Günther Dallmair

Bauspar- und Finanzierungsexperte

IHK-registrierter Immobiliardarlehensvermittler
Reg.-Nr. D-W-155-1UQR-94

Passt das auf Ihre Situation?

Allgemeine Regeln sind das eine, Ihr konkreter Fall das andere. In einer kostenlosen Ersteinschätzung ordnen wir ein, ob und wie ein Bausparvertrag bei Ihnen wirtschaftlich Sinn ergibt.